Die Pandemie, das unwürdige und traurige Ende eines Weinstädter Ausnahmejahrgangs.

Eigentlich war es den meisten sowieso schon längst klar, doch nun ist es harte Realität: Die Jugendsaison ist nicht nur beendet, sondern wird auch nicht mehr wiederholt. Somit verabschiedet sich der Jahrgang 2002 ohne ein weiteres Spiel in den aktiven Bereich. Dies ist nicht nur auf handballerischer, sondern auch auf sozialer und menschlicher Ebene extrem bedauerlich.

Wir hätten uns alle gewünscht, einen anderen Abschlussbericht verfassen zu können, aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert, was man in diesen Zeiten mehr denn je zu spüren bekommt. Somit möchten wir auf diese Weise nochmal einen kurzen Blick auf eine tolle Jugendreise werfen und eine beachtliche Entwicklung Revue passieren lassen.

Der Beginn dieses besonderen Jahrgangs lässt sich auf das Jahr 2013 datieren. Zwei Jahre zuvor, 2011, wurde aus SV und HSG die SG Weinstadt. Unser 02er Jahrgang ist der erste Jahrgang, der die gesamte Jugend in der SG Weinstadt von der E-Jugend bis zur A-Jugend durchlaufen hat. Die aus den E-Jugend-Trainingsgruppen Endersbach/Großheppach und Beutelsbach stammenden Jungs bildeten sofort ein harmonisches Team – eine richtige Spiel-Gemeinschaft. Als damalige D2 trat man unter den Coaches Thomas Schott und Mario Widmann bei den Qualis an. Schon früh erkannte man, dass aus diesen Jungs wahrlich etwas Besonderes werden kann.

Das erste Bild der mD2 im Juli 2013 auf dem Turnier in S-Münster.

In diesem „Jahr des Lernens“ ärgerte man einige ältere und größer gewachsene Mannschaften und gewann zudem mehr Spiele als erwartet. Im zweiten D-Jugend Jahr kamen erste Achtungserfolge, an die man sich heute noch gerne erinnert, hinzu. Man gewann drei stark besetze Turniere, schlug erstmals Gegner wie Göppingen oder Remshalden und zudem wurden einige Spieler für die Bezirksauswahl gesichtet und später sogar für die HVW-Auswahl nominiert.

Sieg beim Turnier in Schmiden. Man schlug unter anderem Bietigheim, Göppingen und Remshalden.
Abschlussveranstaltung der D-Jugend: Einlaufen bei Frisch-Auf-Göppingen im März 2015

Im ersten C-Jugend Jahr spielten einige der 2002er mit den 2001ern auf HVW-Ebene. In der Landesliga konnte man allerdings nur einen Sieg verbuchen. Aber auch das war ein weiteres lehrreiches Jahr in der Entwicklung. Das zweite Jahr C-Jugend begann mit großen Erwartungen und einem großen Einbruch. Gleich vier Spieler verließen die SGW und wechselten u. a. nach Bittenfeld, Göppingen oder Remshalden. Diese Abgänge waren eine zu große Hürde und so verpasste man in diesem Jahr den Einzug in den HVW-Bereich denkbar knapp. In der kompletten Saison verloren die Jungs nur ein einziges Spiel, allerdings leider schlicht und ergreifend zu hoch. Man verlor den direkten Vergleich mit Schmiden/Oeffingen und musste sich als punktgleicher zweiter zufriedengeben.

Klare Ansage für die mC1 im Spiel gegen TV Stetten im November 2016.

Das erste Jahr B-Jugend verlief ähnlich: Einzug in die Württembergliga verpasst, in der Bezirksliga wieder nur zweiter geworden. Doch das zweite Jahr B-Jugend brachte dann die vielleicht größte Entwicklung dieses Jahrgangs. Das Trainerteam um Matthias Rupp und Michael Zimmermann formte 2018 aus dem 02er und 03er Jahrgang ein Team, das vielleicht nicht jeder so wirklich auf dem Zettel hatte. Letztendlich marschierte die Mannschaft aber fast souverän durch die HVW-Quali und löste das Württembergligaticket.

Offizielles Mannschaftsbild der mB1 im Juli 2018

Es folgte eine Saison, die vermutlich nie ganz aus den Köpfen unserer Jungs verschwinden wird. Unzählige positive, wie auch lehrreiche Momente sind der Grund dafür: Der erkämpfte Auftaktsieg gegen Echaz-Erms und der Punktgewinn gegen den Bundesliganachwuchs aus Bietigheim. Die vielleicht bitterste Niederlage der bisherigen Handballlaufbahn gegen Kornwestheim, als der Ball eine Zehntelsekunde zu spät im gegnerischen Netz einschlug, ein atemberaubendes Abendspiel in Fellbach, als man nach 6 Tore Rückstand, mit vielen Weinstädter Fans im Rücken, noch einen Punkt gewann oder der spektakuläre Derbysieg im Pumakäfig in Schmiden.

Als man am 24. November 2018 um 18.15 Uhr den Tabellenführer aus Remshalden zu Gast in Beutelsbach hatte, waren so viele Zuschauer in der Halle, wie vermutlich noch nie bei einem Weinstädter Jugendspiel. Ein prägendes Erlebnis. Man hat in diesem Jahr mit den besten mitgehalten und den nächsten Schritt sowohl in der persönlichen als auch in der Entwicklung als Team gemacht.

Auf diese furiose Saison folgte eine spektakuläre HVW-A-Jugend-Quali in Esslingen zusammen mit den Jungs des 2001er Jahrgangs. Zwei Spiele auf Messers Schneide, am Ende das Happy End und der Einzug in die Württembergoberliga. Im ersten Spiel gegen den Gastgeber lagen, bei Gleichstand, acht Sekunden zwischen Parade hinten, langer Ball nach vorne, Siegtor und Schlusssignal. Ein weiteres Wahnsinnsspiel, das wohl keiner, der dabei war, jemals vergessen wird.

Die mA1 im Juli 2019

Die Saison lässt sich wie folgt zusammenfassen: erst deprimierend, dann relativ gut. Einen mageren Punkt hatte man am Ende der Hinrunde. Aber auch das war deswegen ein weiterer wichtiger Teil der Entwicklung, weil man den Kopf nicht in den Sand steckte, sondern neun Punkte in der Rückrunde einfahren konnte. Das bis heute letzte „normale“ Handballspiel für unsere Jungs, war das Heimspiel am 6. März 2020 gegen den TV Bittenfeld 2. Das letzte Saisonspiel in Bietigheim fand nicht mehr statt, da das Coronavirus wie aus dem nichts in jedermanns Leben einschlug und so eben auch in die Welt unseres geliebten Sports. Über ein Jahr ist das mittlerweile her.

Der Optimismus und vor allem die Vorfreude auf eine neue Saison waren dennoch sehr groß bei unseren Jungs. Keiner konnte zu diesem Zeitpunkt wohl ahnen, wie bitter alles Enden sollte. Sowohl gestandene Spieler als auch Eltern und Funktionäre redeten, nicht erst seit diesem Jahr, davon, was im zweiten A-Jugendjahr alles möglich ist. Neben dem erwähnten erfahrenen und starken Jahrgang 2002 kamen nämlich, wie auch im zweiten B-Jugend Jahr, einige starke 2003er Jungs hinzu. Zudem konnte man fünf Neuzugänge vorweisen, was alles andere als selbstverständlich ist für einen Club wie die SGW. Zwei der Neuzugänge waren zudem Rückkehrer, die uns in der C-Jugend verlassen haben. Die Vorbereitung verlief sehr gut, die Stimmung im Team war ebenfalls positiv und die Freude wurde immer größer, endlich in der Württemberliga zu zeigen, was man zu leisten im Stande ist. Der Höhepunkt der Vorbereitung war wohl das Testspiel in Schmiden, zwei Wochen vor Saisonbeginn. Gegen die Jungs vom Schmiden-Oeffingen leistete man sich seit Jahren spannende und hochklassige Spiele. Hochklassig war es an diesem Abend auf jeden Fall, spannend nicht. Nach 8:0 Führung schickte man den Gastgeber mit 35:18 nach Hause. Dieser Kantersieg ist vielleicht der signifikanteste Nachweis für die stetige Entwicklung dieser Jungs – einem Gegner, der einem in der C-Jugend die Meisterschaft genommen und jahrelang auf einem Niveau gespielt hat, nun mit Überlegenheit auf jeder Position zu schlagen. Als das Trainerteam Volz/Zimmermann/Brizida ein offizielles Saisonziel mit der Mannschaft formulieren wollte, war die übereinstimmende Antwort „Meister werden“.

Das Auftaktspiel wurde, trotz einiger kurzfristiger Verletzungen auf essenziellen Positionen, souverän gewonnen. Aber eben dieses Spiel am 10. Oktober um 20 Uhr gegen Hofen-Hüttlingen war nicht nur das bis heute letzte Spiel, sondern wird auch als letztes Spiel dieses Jahrganges in die Annalen eingehen.

Nach dem Spiel gegen Hofen-Hüttlingen am 10.10.2020.

Denn auch die zweite Welle der Pandemie bricht über den Handball und unsere Jungs ein. Auf das Hinrundenaus folgte das Saisonaus, das Ende November vom HVW verkündet wurde. In der Rückrunde sollten höchstens noch Freundschaftsspiele stattfinden, aber auch das blieb dem Handball vergönnt. Das Thema Meisterschaft war somit keines mehr, ohne Runde keinen Champion. Seit Beginn der Herbstferien ruht der Ball in den Hallen. Die zwischenzeitliche Hoffnung, der DHB würde die Jugendsaison eventuell wiederholen, verpufft am 15.03.2021 endgültig. Aus und vorbei.

Dieser abschließende Bericht, der vor allem unserem 02er Jahrgang gewidmet ist, soll auf keinen Fall falsch verstanden werden. Wir sind uns völlig bewusst, dass die Situation unausweichlich ist, dass es in der Pandemie weitaus schlimmeres gibt, als nicht Handballspielen zu können und dass die Karriere und der Handball nicht für immer beendet sind. Aber die Jugend ist nun mal wirklich aus und vorbei. Das zweite Jahr der A-Jugend ist ein enorm wichtiges Jahr, um sich an die Herausforderungen im aktiven Bereich langsam heranzutasten.

Der Handball, auch jener der A-Jugend, ist in gewisser Weise ein Kollateralschaden der Verordnungen. Der soziale Kontakt, der Sport, das Treffen von bekannten Gesichtern in der Halle, es fehlt. Ein Jahrgang, der seit 8 Jahren im Kern so zusammenspielt, wird zerrissen, ohne Abschluss, ohne Gewissheit.

Natürlich es geht weiter, aber eben in unterschiedlichen Mannschaften und für manche Jungs eben auch gar nicht. Der Traum von der spektakulären Abschiedssaison aus der Jugend, er ist zu Ende, bevor er richtig angefangen hat.

Aber, was mit diesem Bericht eben auch durchklingen soll: Es war eine geile Zeit. Man kann zufrieden und glücklich auf die Vergangenheit schauen. Es ist ein Privileg in einer tollen Jugend, eines tollen Vereins ausgebildet zu werden und das ist die SG Weinstadt definitiv. Ein großes Dankeschön gilt jedem, der, egal zu welchem Zeitpunkt, auf oder neben dem Platz, aber vor allem auch auf der Tribüne, Teil dieser Reise war, die nun zu Ende ist. Im Endeffekt, das Ende eines Kapitels, das Kapitel Jugend. Das nächste Kapitel wartet nämlich auf jeden einzelnen Charakter schon jetzt. Die Freundschaften und Bekanntschaften die entstanden sind, aber vor allem auch die unzähligen Erinnerungen, die jeder einzelne für sich hat, sie bleiben. Die Jugendzeit bei der SG Weinstadt war für jeden ein Teil des eigenen Lebens und eine prägende Zeit, sportlich, wie auch menschlich. Danke dafür!

Wir sehen uns hoffentlich alle sehr bald wieder, bleibt gesund und vor allem, bleibt zuversichtlich!

Wir sind Weinstadt.