Donnerstag, 12. März 2020: Im Eilverfahren wurde seit Sonntagabend alles vorbereitet; vom Bierfass über Weißwurstfrühstück am Folgetag bis hin zu den Meistershirts – schließlich zweifelte in der zweiten Mannschaft der SG Weinstadt keiner daran, dass man das bevorstehende Spiel gegen die SF Schwaikheim 2 nicht gewinnen würde. Bis Donnerstag war alles angerichtet – ehe ein Virus abrupt einen Strich durch diese Rechnung machte. Doch von vorne: 

Montag, 3. Juni 2019: Wie jede erfolgreiche Saison, begann auch die der Grande Reserva mit einer schweißtreibenden Vorbereitung. Fuchs und Montorselli scheuchten den über 20 Mann starken Kader mehrmals in der Woche in Stadion und Halle umher und schufen so die Grundfitness – für Abwechslung sorgte dabei u. a. eine Kickboxeinheit. Nach einigen Trainingsspielen wurde der mittlerweile reduzierte Kader Ende August beim Turnier in Murrhardt vor die erste Bewährungsprobe gestellt – und bestand mit Bravour. Zwei Siege gegen Landesligisten führten zum Turniersieg. Auch in der Folgewoche konnte ein solcher errungen werden – diesmal in Heubach, wo man sich eingangs erwähntes Bierfass erspielte. Als Verstärkung für das Team erwiesen sich in dieser frühen Phase vor allem Boland, Dobric und Freidel, die allesamt von der ersten Mannschaft dazugestoßen waren, sowie Rückkehrer Klöpfer auf Linksaußen. Spätestens nach diesen Erfolgen setzte sich die Mannschaft intern dann auch den Aufstieg als Ziel. 

Voller Selbstvertrauen fuhr man also zum Saisonauftakt zum Aufsteiger TSV Alfdorf/Lorch 2 – und wurde auf den Boden der Tatsachen geholt. Ein ernüchterndes 31:26 leuchtete am Ende der 60 Minuten von der Anzeigetafel und leise Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit waren nicht von der Hand zu weisen. Auch die folgenden Siege gegen den SV Hohenacker-Neustadt und den MTV Stuttgart waren nicht wirklich überzeugend. Sowas wie einen Wendepunkt stellte dann aber das Duell beim HC Winnenden dar. Schon in der Vorsaison lieferte man sich mit dem Nachbarn zwei denkbar knappe Spiele und auch dieses sollte in der Hinsicht nicht enttäuschen. Erst ein gehaltener Strafwurf von Klass und ein Treffer von Klöpfer – beides in der Schlussminute bei doppelter Unterzahl – sicherten den Weinstädtern zwei vielumjubelte Punkte. 

Fortan, auch weil man nun in voller Besetzung auflaufen konnte und nicht zuletzt aufgrund einer Umstellung der Abwehr durch Trainer Fuchs, machte den Männern um Kapitan Rühle das Handballspielen sichtlich Spaß. 35:23, 24:32, 41:21 und 33:24 lauteten die Ergebnisse, die auch die Tabellenführung mit sich brachten. Am 30.11. kam es zum Spitzenspiel in Fellbach, die zu diesem Zeitpunkt nur knapp hinter den Weinstädtern auf Platz zwei lauerten. Die Gäste aber ließen in keinem Bereich Zweifel aufkommen, wer an diesem Tag die bessere Mannschaft war und baute nicht zuletzt dank des stark aufspielenden Baireuther mit einem 25:34 die Tabellenführung aus. Ein knapper Sieg beim TV Oeffingen 2 (24:27), dem man wenige Wochen zuvor im Pokal noch unterlegen war, sowie ein weiterer überzeugender Heimsieg (35:24) gegen die HSG Oberer Neckar sicherten die Herbstmeisterschaft mit 20:2 Punkten. Einzige Wermutstropfen der Hinrunde: das Pokalaus und die schwere Verletzung von Widmayer, der die restliche Saison ausfallen sollte. 

Von nun an waren die Weinstädter also die Gejagten. Nach fünf Wochen Winterpause galt es in Hohenacker erstmal, den Rost etwas abzuschütteln. Nach einer durchwachsenen Hälfte gelang dies schlussendlich auch, sodass mit einem 22:28-Auswärtssieg die Generalprobe für das bevorstehende Spitzenspiel gegen Alfdorf/Lorch glückte. In dieser Partie konnten die Hausherren vor allem im Angriff nahtlos an die Leistung der Hinrunde anknüpfen und auch Köhn, der nun ebenfalls vom Württembergliga-Team zur Zweiten stieß, fügte sich gleich gut ein. Boland setzte mit seinem elften Treffer des Tages den Schlusspunkt zum 36:28, was für Weinstadt neben zwei Punkten auch einen gewonnenen direkten Vergleich bedeutete. 

Zehn Tore von Rühle verhalfen dann zum (etwas zu deutlichen) 39:26 gegen Schlusslicht MTV Stuttgart, ehe ein glanzloses 26:31 in Korb den nunmehr 14. Sieg in Folge bedeutete. Die Tendenz, die sich in diesen Spielen abzeichnete: nachlassende Abwehrleistung und etwas weniger Spielwitz im Angriff. Fast schon folgerichtig gelang es dem HC Winnenden dann, die Weinstädter erstmals zuhause zu schlagen (22:26). Für letztere bedeutete dies allerdings nur einen kleinen Rückschlag, da der Vorsprung zur Konkurrenz weiterhin sieben Minuspunkte betrug. 

Nach dem denkbar knappen Sieg am Abend des 7. März beim TV Obertürkheim blickte die zweite Mannschaft am Sonntag immer wieder auf die Liveticker im Smartphone – und wurde überrascht: Verfolger Fellbach 2 verlor in Schwaikheim und die HSG Oberer Neckar spielte unentschieden beim HC Winnenden. Somit war klar: Die Mannschaft des Trainergespanns Fuchs/Montorselli konnte am kommenden Samstag mit einem Heimsieg die vorzeitige Bezirksmeisterschaft klarmachen. Dann kam der 12. März.

Alle Vorbereitungen waren somit erstmal auf Halt gestellt und die geplanten Festivitäten dem Virus zum Opfer gefallen. Schließlich war nicht klar, ob man denn überhaupt aufsteigen durfte. Am 22.4. herrschte mit dem Beschluss des DHB-Bundesrats dann Gewissheit. Aus 17 Spielen (anstatt 22) holte die Grande Reserva überragende 30:4 Punkte, erzielte mit 532 die meisten und kassierte mit 422 die wenigsten Treffer der Bezirksliga und darf sich damit völlig zurecht nicht nur Ligaprimus, sondern auch Bezirksmeister nennen und damit den verdienten Lohn für eine herausragende Saison einfahren. 

Dass die Mannschaft dabei stets als hervorragende Einheit funktionierte, zeigt nicht zuletzt die erfolgreiche Integration der A-Jugendlichen Stoll, Pröbsting und Oesterle, die allesamt ihr Potenzial zeigten und nächstes Jahr die Chance haben, fest zum Landesligakader zu gehören.

Wir bedanken uns bei allen Fans, die uns während dieser Saison begleiteten und hoffen, euch alle im September zum Auftakt in die Landesliga 2020/21 wieder begrüßen zu dürfen. 

Der Kader des Bezirksmeisters 2019/20: Luca Baireuther, Dominic Boland, Sascha Dobric, Kevin Freidel, Oliver Heck, Nicolai Klass, Marc Klöpfer, Sören Köhn, Dustin Louis, Marius Oesterle, Lars Philipp, Felix Pröbsting, Marc Rühle, Marcel Scheday, Sebastian Schnaitmann, Marian Sigle, Sören Stoeß, Lian Stoll, Andreas Strauß, Fabian Tschirley, Silas Widmayer; Trainer: Rolf Fuchs, Francesco Montorselli