Sebastian Striebich beendet seine aktive Laufbahn bei den Herren 1 der SG Weinstadt Handball. Nach seiner zehnten Saison in Folge als Spieler der 1. Mannschaft sagt der Routinier am Ende dieser Runde tschüss. Dem Verein wird er aber erhalten bleiben. Ob er noch weiter Handball spielen wird, weiß der 31-jährige aktuell selbst noch nicht.

Unser „Sebi“ kann auf eine lange und erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Mit vielen seiner Weggefährten verbindet ihn eine innige Freundschaft, die sowohl auf als auch neben der Platte bestand hat. Die Gründe für seinen Abschied sind vielseitig: Beruflich ist er immer eingespannter, der Körper zickt hin und wieder und auch die Zeit für seine Verlobte Laura und die Familie soll in Zukunft einen größeren Rahmen einnehmen. Seine Eltern erinnern sich noch gut an die ersten Begegnungen mit dem Wurfgerät. „Sebastian war von Anfang an ein überzeugter Handballer. Er hat kein Training verpasst, wenn es nur irgendwie möglich war“. Zunächst wollte er nur „schön Handball spielen“, allerdings fand er schnell Gefallen daran, dorthin zu gehen „wo es weh tut“ – ein klassischer Materialhandballer eben. „Schnuppern beim Fußball und Tennis war kurzzeitig schön, konnte Handball aber nicht gefährden“, so der stolze Vater Peter Striebich. 

Die Anfänge des jungen Sebastian.
Auch damals war er schon für besonders stylische Sneaker bekannt.

1993 bis 2019

Sebis Laufbahn in Weinstadt begann 1993, als er zu den Minis des TSV Beutelsbach kam. Trainiert wurde die Mannschaft von Thomas Römmele. Er war sofort infiziert und begeistert von dieser Sportart, wie uns seine Eltern Peter und Edith Striebich berichten. Schon 1994 in einem Bericht über ein Minispielfest in Schwaikheim wurde er als „alter Hase“ bezeichnet, der für Tore sorgte. Feuer und Flamme für seinen Lieblingssport bestritt der Jungspund sein erstes offizielles Spiel für die E-Jugend des TSV Beutelsbach, dass er mit seiner Mannschaft gegen den damaligen Rivalen HSG Weinstadt mit 7 zu 1 gewann. Drei Jahre später wurde Sebastian vom Verein zum „Spieler des Jahres“ gewählt. Ab dem Jahr 2004 war Sebastian auch als Schiedsrichter in den Sporthallen der Region unterwegs. Diese Funktion begleitete er für die kommenden zehn Jahre. 2005 absolvierte er als A-Jugendlicher seinen ersten Einsatz bei den Aktiven, damals noch in der zweiten Mannschaft. Gegen Remshalden erzielte er auf Anhieb ein Tor, was ihm noch gut in Erinnerung geblieben ist. In der Saison 2006/2007 feierte der Youngster für die 1. Männerschaft in der Bezirksliga seine Premiere. In der darauffolgenden Spielzeit wurde die Mannschaft Meister und stieg in die Landesliga auf. 

Im folgenden Jahr zog es Sebastian aufgrund seines Zivildienstes nach Bremen. Er arbeitete in einem Kindergarten mit geistig und körperlich eingeschränkten Kindern. Auch im hohen Norden konnte „Sebi“ nicht auf den Handball verzichten. In der Landesliga beim ATSV Habenhausen fand der Schwabe sofort ein zweites Zuhause. Die Bremer tauften ihn dort mit dem Spitznamen „Spätzle“. Der Kontakt nach Habenhausen ist nie abgerissen. Bis heute bestehen freundschaftliche Verbindungen zum ATSV und seinen Anhängern und es gibt regelmäßige Treffen.

In der Saison 2010/2011 kehrte der verlorene Sohn zurück nach Beutelsbach. Dort spielte er wieder in der ersten Mannschaft des Vereins, der inzwischen wieder in der Bezirksliga auflief. Im Folgejahr kam es dann zur Vereinigung der HSG Weinstadt und des SV Weinstadt zur „Spielgemeinschaft Weinstadt Handball“, an deren Vorbereitung Sebi selbst aktiv mitgewirkt hat.

Sebastian Striebich in seiner unnachahmlichen Art in der Luft zu stehen.

In der Saison 2011/12 belegte die Mannschaft von Trainer Matze Ihl und Jochen Klingler den 6. Platz. Eine Saison später verzauberten Sebi und seine Mannschaftskameraden das Weinstädter Publikum Woche für Woche. Sie verloren kein einziges Heimspiel und holten einen starken dritten Platz. Diese Leistung konnte in der Saison 2013/14 jedoch noch getoppt werden. Die Mannschaft belegte nach einer furiosen Saison Platz 1. Die Mannschaft stieg in die Landesliga auf, feierte unzählige Partynächte und konnte sich ein paar Wochen später zusätzlich den Gewinn des Bezirkspokals auf die Fahne schreiben. Im Folgejahr wurde das erfolgreiche Trainergespann von Olaf Steinke abgelöst, der die Mannschaft in der Saison 2014/15 auf einen hervorragenden 3. Platz coachte. In den nächsten beiden Spielzeiten erreichte die Mannschaft einen 5. und einen 4. Platz in der Landesliga. Weinstadt zählte in diesen drei Runden immer zum engeren Favoritenkreis und machte es jedem Gegner schwer. In der Spielzeit 2017/18 spielte Sebis Team bis zum letzten Spieltag um das Erreichen der Aufstiegsrelegation mit. In dieser Saison erzielte der starke Striebich 61 Tore, bereitete etliche Treffer vor und stellte sich immer in den Dienst der Mannschaft. Am Ende belegte die Mannschaft einen guten dritten Platz, der bei Spielern, Trainer Olaf Steinke, den Verantwortlichen und auch den Fans am Ende etwas Wehmut aufkommen ließ. Hätte, wäre wenn und aber – zuhause hätte der TV Oeffingen geschlagen werden müssen, dann hätte einem möglichen Showdown nichts im Wege gestanden. In der Saison 2018/19 gelang der SG der Durchmarsch in die Württembergliga mit einer Ausbeute von 49 zu 3 Punkten – der größte sportliche Erfolg der Abteilung ging in die internen Geschichtsbücher des Vereins ein. Für Sebi war es persönlich eine harte Spielzeit. Lediglich drei Spiele konnte der Routinier absolvieren. Eine langwierige Verletzung an der Leiste setzte ihn außer Gefecht.  

Der Pokalsieg 2014 mit den Erfolgscoaches Matthias Ihl, Jochen Klingler und Kai Franke

In der aktuellen Saison konnte Sebastian Striebich bisher 26 Tore beisteuern. Ob und wann die Runde zu Ende gespielt wird, ist derzeit nicht abzusehen. Eins ist jedoch klar, wir wollen unseren Sebi auf jeden Fall noch einmal Handball spielen sehen, bevor sein Trikot dann von seinem Mannschaftskameraden Philip Stäudle unter das Hallendach gezogen wird…  

Als Trainer gibt das Urgestein bereits seit seinem 20. Lebensjahr an der Seitenlinie die Kommandos. Im Bereich der männlichen Jugend gab er sowohl der C-, B-, als auch der A-Jugend, die er aktuell mit seinem Mannschaftskameraden Lukas Volz trainiert, sein Wissen und Können weiter. Für diesen Einsatz ist ihm der Verein bis heute unendlich dankbar und hofft auch in Zukunft auf seinen Verbleib als Übungsleiter. Auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist der Redakteur zuständig. 

Die stolzen Eltern Peter und Edith unterstützten ihren Sohn über all die Jahrzente.

Was seine Weggefährten zu erzählen haben

Und eine kurze und intensive Karriere als Weitsprungspezialist blieb ihm auch nicht verwehrt: Unser Abteilungsleiter Roland Klass, der mit Sebastian sowohl als Trainer, als auch als Trainerkollege gearbeitet hat, erinnert sich noch genau. „Während einer Saisonvorbereitung hat Sebi auf dem Heimweg vom Endersbacher Feuerwehrfest einen gigantischen Sprung über ein Blumenbeet hingelegt. Die Folge daraus war leider eine Verletzung, die ihn die ersten drei Spielen der Landesligasaison kosteten“.  Auch an ein grottiges Auftaktspiel in Ossweil, erinnert sich Rolex gut. Ein Gegner an dem sich die SG Weinstadt an diesem Tag im wahrsten Sinn des Wortes die Zähne ausbiss. Sebi erzielte kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer, blieb aber nach dem Abpfiff mit blutigem Mund am Boden lieg – er hat sich bei dieser Situation tatsächlich zwei Zähne ausgeschlagen. Seitdem hat sich das Tragen eines Mundschutzes im Team bei vielen Spielern durchgesetzt. 

Seine Eltern wissen, dass Sebi dem Verein immer verbunden bleiben wird: Schließlich hat er dies auch seinem damaligen Trainer Matze Ihl vor etlichen Jahren schriftlich bestätigt – getreu dem Motto: Einmal Weinstadt, immer Weinstadt! „Ich denke er kann vor allem auch ein Spiel gut lesen, taktisch denken und seine Mitspieler gut in Szene setzen“, berichtet uns sein Vater Peter. 

Langjährige Mannschaftskameraden
©RZ Photographie

Sein langjähriger Mitspieler Sascha Wilhelm erinnert sich gut und gerne an gewisse Szenen mit seinem Kumpel, beispielsweise als Sebi ihn auf der Platte mal auf sein Alter hingewiesen hat: „Schau erstmal in deinen Perso“ rief ihm der Routinier damals mit einem Augenzwinkern zu. Zudem wird ihm Sebis starkes Eins-gegen-Eins-Verhalten in guter Erinnerung bleiben: „Unvergessen ist sein Wackler. Der hat schon zu einigen Siegen geführt – siehe in der letzten Saison, als wir fast das Auftaktmatch gegen Großbottwar vergeigten“. Sein guter Freund und langjähriger Weggefährte Marc Rühle wünscht ihm nur das Beste. Für ihn wäre es ein Traum, nochmal gemeinsam mit „Sebi“ für die zweite Mannschaft auf Punktejagd zu gehen. 

Brüder im Geiste
©GSchmid

Trainer Jochen Klingler erinnert sich ebenfalls gerne zurück: „Als ich im zweiten Jahr des Bestehens der SGW (2012/2013) zusammen mit Matthias Ihl die 1.Männermannschaft als Trainer übernommen habe, habe ich Sebi einmal aus dem Training geworfen. Er hatte keine Lust bzw. war nicht einverstanden mit einer Übung. Charakterlich top wie er nun mal ist, hat er mich noch nach dem Training angerufen und sich entschuldigt. Wir haben uns ausgesprochen, es war erledigt und seitdem haben wir ja den einen und anderen Erfolg zusammen gefeiert. Ich hoffe sehr, dass er der SGW erhalten bleibt. Egal in welcher Funktion. Am liebsten als Jugendtrainer damit er den Kids (samt Eltern) rüberbringt was Mannschaftssport bedeutet. So wie er ihn vorbildlich jahre-, jahrzehntelang gelebt hat“.

Sebastian Striebich stand uns zum Abschluss für ein Interview bereit.

Lieber Sebi, normalerweise stellst du jemandem die Fragen, heute drehen wir den Spieß aber um. Welche Erinnerungen werden dich aufgrund deines Lieblingssports dein ganzes Leben begleiten?
Das sind schon jetzt unzählige und ich hoffe, dass ich auch nach meinem Karriereende als Aktiver noch viele weitere schöne Handballerinnerungen sammeln werde. Wenn ich mich für eine entscheiden müsste, die bestimmt für immer bleibt, würde ich den Aufstieg 2014 in die Landesliga nennen: Diesen Erfolg mit meinen Jungs zu erreichen, war ein Riesentraum, einfach phänomenal. Eigentlich war die ganze Saison 2013/14 mit all den langen Partynächten nach den Spielen die schönste Zeit in meinem Handballerleben. Aber auch in den Jahren davor und danach gab’s viele Highlights, packende Derbys, schöne Geschichten. Den Moment, als wir 2019 in Ditzingen die Meisterschaft klar gemacht haben, werde ich natürlich auch nicht vergessen, ebenso wenig die Choreographien unserer Fans. Gänsehaut.

Was wird dir nach deiner aktiven Laufbahn am meisten fehlen?
Das Einlaufen in die rappelvolle Beutelsbacher Halle, die Spannung, die vor einem wichtigen Spiel in der Luft liegt, die Jungs um einen herum, der Lärm, das Abklatschen, sich gegenseitig heiß zu machen, all das.

Darf die SG Weinstadt darauf hoffen, dich in Zukunft in anderer Funktion im Verein zu sehen? Falls ja, gibt es hierzu schon konkrete Pläne?
Ja. Ich möchte weiterhin als Jugendtrainer aktiv sein, im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten. Die Saison mit der A-Jugend und Lukas Volz als Trainerkollege hat mir viel Spaß gemacht, auch weil man gesehen hat, dass die Arbeit mit den Jungs irgendwann Früchte trägt. Ob ich noch eine Saison in der zweiten oder dritten Mannschaft dranhänge, weiß ich jetzt noch nicht, darüber werde ich noch mit den Trainern sprechen. Ich muss da aber auch auf meinen Körper hören. Wobei der ja gerade viel Zeit hat, sich zu regenerieren.

Was hast du für die letzten Spiele mit deiner Mannschaft noch vor, falls die Saison zu Ende gespielt werden sollte?
Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass diese Saison noch zu Ende gespielt wird. Ich finde aber, wir können stolz darauf sein, wie wir uns zuletzt verkauft haben. So hätte ich gerne noch ein paar Spiele weiter gemacht und den ein oder anderen Heimsieg mit unseren Fans gefeiert. Die haben uns auch immer unterstützt, als es nicht so rund lief. Aber ich befürchte fast: Das war’s für mich in der Ersten. 

Gibt es etwas, dass du uns noch mitteilen willst?
Bleibt zuhause, bleibt gesund und bleibt der SG Weinstadt treu. Irgendwann wird in Beutelsbach wieder Handball gespielt und dann feiern wir alle zusammen ein riesengroßes, gemeinsames Comeback!

©Günter Barth
Die SG Familie wünscht Sebastian für seine Handballrente natürlich nur das allerbeste, vor allem Gesundheit und weiterhin viel Freude in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der SG Weinstadt.
Wir bedanken uns recht herzlich für Sebastians Arbeit, seinen unermüdlichen Einsatz, den Fleiß und die Energie, die er in all eine Aufgaben investiert und gesteckt hat. 


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